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Radler fahren in eine durch Verkehrsschilder für den Radverkehr in Gegenrichtung freigegebene Einbahnstrraße, ein weißer PKW kommt entgegen.

Zum Start der diesjährigen Fahrradsaison waren die Radfahrer in Melsungen und Umgebung zu einer Informationsveranstaltung eingeladen, die am 26. März stattfand. Eingeladen hatten die Fahrschule Nägel aus Melsungen, der Radbeauftragte der Stadt Melsungen und der ADFC-Kreisverband Hersfeld-Rotenburg / Schwalm-Eder e. V. mit seinem Melsunger Ortsverband.

Nach der Begrüßung durch den ADFC-Kreisverbandsvorsitzenden Johannes Heyn folgten zwei Referate:

  • Hans-Jürgen Nägel, Fahrschule Nägel: "Rechte und Pflichten eines Radfahrers im Straßenverkehr"
  • Robert Hilligus, Stadtplanung Bad Wildungen: "Radfahren in Bad Wildungen - im Alltag und in der Freizeit".

Im Anschluss wurde über die Vorträge und die Radinfrastruktur in Melsungen diskutiert.

Rückblickend bleibt dieser Eindruck:

Mit 17 Teilnehmern war der Besuch durchaus zufrieden stellend. Leider war kein Vertreter städtischer Gremien aus Melsungen anwesend.

In der Begrüßung wurde nach kurzer Vorstellung der Einladenden auf die Entstehungsgeschichte zu dieser Veranstaltung und die damit verbundenen Hoffnungen hingewiesen.

In seinem Referat ging Herr Nägel zunächst ausführlich auf § 1 StVO ein, der von allen Verkehrsteilnehmern ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksichtnahme verlangt. Danach ging es um Radwege und deren Benutzungspflicht und die Definition eines "Fahrrades". Über die Beschreibung der am Rad vorgeschriebenen Beleuchtungsanlagen kam er zur Erläuterung der genauen Bedeutung diverser Verkehrszeichen. Dabei ging er auch auf die Regelungen zu Zebrastreifen und Radschutzstreifen ein. Abschließend drückte er seinen Ärger über viel Müll an den Radwegen aus, der auch von Radfahrern stammen kann.

Nach kurzer Diskussion startete das 2. Referat. Herr Hilligus, seit etwa 20 Jahren Stadtplaner in Bad Wildungen, berichtete über die dort getroffenen Maßnahmen zur Förderung der Radinfrastruktur. Im Jahr 2002 wurde durch die Planungsgruppe Nord (PGN) in Absprache mit den städtischen Gremien ein Konzept erstellt. Ziele: Förderung des Radverkehrs und Reduzierung des KFZ-Verkehrs in der Innenstadt. Damit verbunden: Förderung des Tourismus, Stärkung des Kurbad-Charakters, Belebung der Innenstadt, mehr Sicherheit für Alltagsradler und noch andere Argumente. Seitdem wurde das Konzept Schritt für Schritt umgesetzt, wobei durchaus auch Lerneffekte zu verzeichnen waren und manche Maßnahmen noch einmal umgestellt bzw. nachgebessert werden mussten. Prioritäre Maßnahme war die Schaffung möglichst weit verbreiteter 30 km/h-Zonen. Weiterhin galt der Grundsatz, den Radverkehr möglichst auf der Fahrbahn zu führen und nicht auf hochbordigen Bürgersteigen bzw. Rad-Fußwegen. Vor allem auf bergauf führenden Streckenabschnitten wurden Radfahrstreifen angelegt und in blauer Farbe markiert. Besonderes Augenmerk wurde auch auf Abstellanlagen, Rastplätze und nicht zuletzt auf die Wegekennzeichnung gelegt. Mit Ende des Jahres 2013 sind die wesentlichen Projekte des Konzeptes umgesetzt. Das heißt aber nicht, dass nicht noch weitere Verbesserungen denkbar sind und auch in Angriff genommen werden sollen. Aber ab jetzt will man die Erfolgsgeschichte auch offensiv und werbewirksam vermarkten. Der Erfolg aller Maßnahmen bemisst sich an einer deutlich gestiegenen Zufriedenheit der Mehrheit der Wildunger Bürger mit der Verkehrssituation in ihrer Stadt.

Radfahrer in gelber Jacke mit ADFC-Fahrradtasche fährt auf einem blau markierten Radfahrstreifen.

Besonders hervorgehoben: blau markierte Radfahrstreifen (Riesendamm, Bad Wildungen)

Zusammenfassen sind folgende Punkte besonders bemerkenswert:

  1. Ein solides Konzept mit klarer Zielsetzung
  2. Durchaus mittelfristige Umsetzung, Schritt für Schritt
  3. Durchhaltevermögen in der Auseinandersetzung mit konservativen Gremien wie Hessen mobil, Ordnungsamt, Polizei usw.
  4. Fantasie bei Erschließung von Finanzierungsquellen. Natürlich gab es im Rahmen der Landesgartenschau 2006 gute Finanzierungsmöglichkeiten, aber auch sonst wurden alternative Geldquellen herangezogen (Schrebergartenneuanlage, Gewässerrenaturierung)
  5. Wichtig: abgestimmtes und einheitlich zielorientiertes Vorgehen städtischer Gremien.

Nach dem Vortrag kam es zu einer lebhaften Diskussion. Dabei wurde Bewunderung für die Wildunger Maßnahmen deutlich sichtbar, verbunden mit leichten Neidgefühlen. Melsungen betreffend wurde die Anregung geäußert, im Zuge der überall anstehenden Kanalsanierungen und der damit verbundenen Straßenwiederherstellung gleich etwas mehr Radfahrerfreundliches zu realisieren. Z. B. könnten auch kleinere Straßen mit Schutzstreifen versehen werden, wenn auf die Mittellinie und damit auf doppelte Kfz-Fahrbahnen verzichtet wird. Als Pilotprojekt wurde die Einrichtung eines Schutzstreifens auf der Straße "Huberg" für sinnvoll erachtet. Der geplante Antrag der Grünen im Melsunger Stadtparlament auf Erstellung eines Gutachtens und Konzeptes zur Verbesserung der Radinfrastruktur in der Stadt wurde mehrheitlich begrüßt.

Im Jahr 2013 war der Stadt Melsungen die Auszeichnung "Goldene Kurbel" des ADFC-Kreisverbands für die Umsetzung einiger fahrradfreundlicher Maßnahmen verliehen worden. Damals hatte der Kreisverbandsvorsitzende Heyn in seiner Laudatio hervorgehoben, dass Melsungen zwar auf dem Weg zu einer fahrradfreundlichen Stadt sei, das Ziel sei aber noch nicht erreicht. Es ist zu wünschen, dass dieser aktuelle Informationsabend einen kleinen Beitrag dazu geleistet hat, diesem Ziel etwas näher zu kommen.

 

 

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